CMYK

SDerMeguerditchian_Geleerte Wörter, 2015, Gestanzte Papierfragmente, Light box_Foto: Taswir Projects/Alexander Ochs private

Künstler: Silvina Der-Meguerditchian, Marula Di Como, Archi Galentz, Berthold Reiß
Ausstellungsdauer: 22.07. – 10.09.2016
Eröffnung: Donnerstag, am 21.07 um 18.00 Uhr
Vortrag Performance: Berthold Reiß, und du wirst nichts vergessen um 18.30 Uhr
Performance: Marula Di Como „A Dadaist system for distinguished readers“

Der Titel CMYK ist die Benennung für das Vierfarbensystem dass in der heutigen Drucktechnik gebraucht wird um ein Bild zu ergeben. Die in CMYK vorgestellten Kunstwerke haben zwar mit industrieller Drucktechnik nichts gemein, stehen aber für einen komplexen Zugang, der als erstes ein analytisches Nebeneinander und dann erst die mögliche Mischung der Farben erschließt. 
Aus Anlaß der Ausstellung „Grandchildren“, die 2015 in Istanbul stattfand, spricht Erden Kosova davon „Der-Meguerditchian’s Fähigkeit, warmherzige Beziehungen zu Menschen zu schaffen und diese in gemeinsame Aktivitäten umzuwandeln“. Entsprechend widmet sich Silvina Der-Meguerditchian ernsthaft einer kuratorische Aufgabe, jedoch aus der Perspektive des Künstler/Kurators. Denn zum einen passen die Künstler, die sie auswählt, gleichsam wie weitere Farben zu ihren eigenen. Zum anderen aber tritt dieser Einklang performativ im Laufe der Zeit erst hervor.

Die vier Künstler gehen in ihrer Arbeit einem re-konstruktiven Ansatz nach. Um diesem Ansatz zu folgen, setzen sie Fragmente, Geschichten oder Trümmer der Geschichte ein. Diese Re- konstruktionen oder Re-organisationen folgen unerwartete, unkonventionelle Prinzipien. Und gleichzeitig schaffen sie neue Kontexte.

Wie re-interpretiert man Erbe und macht es zugänglich für andere Perspektiven? Wie formt man ein „Vermächtnis“ mit gegenwärtigen Mitteln? Wie bettet man „Erbe“ in neue Konfigurationen und ermöglicht so mannigfaltige Lektüren? Und wie schafft man neue Kontexte, in denen diverse Zugänge oder Dechiffrierungen möglich sind?

Rekonstruktion und neue Kontexte ergeben zusammen ein Bild, das aktiv erstellt und von Eingriffen geprägt ist. Andererseits aber liegt dieses Bild doch faktisch vor, auch wenn es nur durch den Schleier hindurch wahrzunehmen ist, den das Handeln der Künstler darüber gebreitet hat. So wie der Titel CMYK an die Erzeugung, aber auch an die Erscheinung von Farbe denken läßt, spricht Silvina Der-Meguerditchian von einem Moiré-Effekt, um eine Verschleierung zu bezeichnen, die Störung, aber auch Transparenz bedeutet. Sie sieht diesen Effekt, durch den das Licht auch im übertragenen Sinne nur durch ein oder mehrere Gitter hindurch wahrnehmbar ist, in jeder Position anders. Aber Rekonstruktion und Re-kontextualisierung stehen doch zusammen für die indirekte Anerkennung von Fakten oder von Normen. Daher kann CMYK ein Gesamtkonzert bilden, in dem sich verschiedene Formen dieser Struktur durchdringen und steigern.