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Der Frühling ist da und mit ihm die herrlichen Gefühle. Wir zeigen hier wie sich Berliner Künstler der Liebe in allen Facetten widmen – von zärtlicher Zweisamkeit bis zu wilder Entgrenzung…

Tim Eitel»Ohne Titel (Umarmung)«, 2014
Zwei Freunde waren zu Besuch in seinem Berliner Atelier, und ihre Geste erschöpfter Innigkeit schien im lohnenswert, festgehalten zu werden. Der 1971 geborene Künstler galt schon früh als Shootingstar der Neuen Leipziger Schule, emanzipierte sich vom Hype und pendelt seit ein paar Jahren zwischen Paris und Berlin. Stets hängt ein Grauschleier über Eitel Bildern, seine Menschen sind wie Inseln, losgelöst von der Welt um sie herum.

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Rainer Fetting »Psychedelic East I«, 1990
Er ist der Bekannteste der Berliner Neuen Wilden, die Ende der 1970er-Jahre eine Selbsthilfegalerie am Moritzplatz gründeten, um ihrer rohen, figurativen Malerei eine Plattform zu geben. Bis heute hat Fetting sein Atelier in Kreuzberg, wo er Jahrzehnte lang das ausschweifende Mauerleben West-Berlins einfing, bevor ihm die Geschichte neue Sujets zuspielte. Vor schreienden Gelb blickt einem ein Transvestit in Liza-Minnelli-Pose ins Gesicht und begrüßt eine neue Epoche: die surreal-wilden Jahre der Nachwendezeit.

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Daniel Richter »Warum ich kein Konservativer bin«, 2000
Bis zur Jahrtausendwende malte David Richter nur abstrakt, dann erfolgte die Wende zum Gegenständlichen – was ihn zu einem der wichtigsten und international erfolgreichsten deutschen Gegenwartskünstler werden ließ. Seitdem bevölkern Polizisten, Gorillas im Rollstuhl oder Luftgitarrenspieler seine oft großformatigen, neon flackernden Stadtlandschaften. Oder paare, bei denen man sich fragt, was sie einander in die Arme trieb. Schutzbedürfnis? Drogenrausch? Oder sehen wir einfach nur ein Bildner Liebe, stets ebenso elementar wie lächerlich?

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Friedrich Georg Weitsch»Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise«, 1799
In der Geschichte der oftmals inzestuösen royalen Zwangsverheiratungen stellen sie die glückliche Ausnahme dar. Zwar war auch ihre Ehe selbstverständlich arrangiert, doch waren sich der Kronprinz von Preußen und Luise von Mecklenburg-Strelitz ernsthaft zugetan und entsprachen damit einem neuen Liebesideal, das der bürgerlichen Welt entstammte. Das Witsch das Königspaar in einer zärtlichen Berührung porträtierte, ist also durchaus Abbild der Wirklichkeit. Selbst Napoleon soll von der großen, attraktiven Luise sehr begeistert gewesen sein.

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Cornelia Schleime»Erste Liebe«, 2008
Sie weiß was Verlust bedeutet. Als die Künstlerin 1984 nach ihrem Ausreiseantrag und jahrelanger Bespitzelung durch die Stasi von Ost -nach West-Berlin übersiedelte, verschwand in der DDR fast ihr gesamtes bisheriges Werk. Auch vor diesem Hintergrund ist die Intensität bewegend, mit der die heute 61-Jährige den Augenblick des Verlages eingefangen hat – als Moment ewiger Gegenwart, der keine Last kennt durch das, was war, und niemals den Tod der Erfüllung erfährt.

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George Grosz »Dr. S und Frau«, 1921
Er war der Chronist Berlin der Weimarer Republik. Teil der Dada-Szene, vorübergehend KPD-Mitglied. Mit viel Sinn für Blasphemie und Groteske hielt Grosz vor allem in seinem grafischen Werk ein sich überschlagendes Zeitalter fest. Seine Darstellungen von Liebenden sind oft pornografisch, er feierte die Derbheit des Großstadtlebens, wie es nur ein waschechter Berliner kann. Nach der Emigration in die USA während der Nazizeit kehrte er in den 1950er Jahren in seine Heimatstadt zurück – und starb (stilecht) an den Folgen von Trunkenheit.6geroge_grosz

 

Kerstin Drechsel »Im Wärmeland#2«, 1998
Ihre Ölgemälde sind so schillernd-leicht im Auftrag, als wären sie mit Wasserfarben gemalt. Was in einem bemerkenswerten Spannungsfeld steht zu ihren drastische nSujets wie verhüllte Messie-Wohnungen oder lesbischer Sex im öffentlichen Raum. Ihren künstlerischen Werdegang begann die 1966 in Reineck geboren Berlinerin mit einem Bühnenbildstudium an der Hdk Berlin. In ihren früheren in Vitrinen angeordneten Malerei Installationen, zu denen auch die Orgie im Sportclub zählt, wirk der theatralische Einfluss noch nach.

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Clemens Gröszer »Café Liolet«, 1986
Der Rückbezug auf die neue Sachlichkeit und vor allem auf Otto Dix ist unverkennbar. Nach seiner Zeit als Meisterschüler an der Akademie Akademie der Künste in Ost-Berlin porträtierte der Maler Clemens Gröszer diese zwei jungen Frauen – und pries damit eine Individualität, die in der späten DDR, nur wenig erwünscht war. Nach der Wende war der gebürtige Berliner auch als Bildhauer tätig, im Herbst 2014, ist der Künstler unerwartet mit 63 Jahren verstorben.

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Heinrich Zille»Hofball bei Zille«, 1925
Mit frechen Stich und Hmor find Heinrich Zille sein Millöjöh ein. Berliner Hinterhöfe, Bierkutscher, Protitutierte und bettlende Kinder zeichnete er voller Mitgefühl, sodass ma beim Anblick all der Armut oft nicht weiß, ob an lachen oder weinen soll. Auf der Vorzeichnung für ein Plakat des Zille-Hofballs im Großen Schauspielhaus (heute Friedrichstadtpalast) konzentrierte er sich auf das Vergnügen, auf die drallen Tänzerinnen und Tänzer – und verewigte sich selbst in dem bärtigen Mann. Am Tag nach dem Ball berichtete das Berliner Tageblatt:»Jeschwooft wurde bisn Morjen«.

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